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11.06.2004

3Uhr: AUTSCH! Ich wache auf mit etwas stärkeren Wehen als sonst, ich konnte jedenfalls nicht mehr einschlafen, lief ein bischen verduselt in der Wohnung rum, beschäftigte mich mit dem Kätzchen, und setzte mich schließlich auf den Gymnastikball. Hatte im Kurs gelernt, dass das Hin- und Herkreisen auf dem Ball helfen soll, Wehen zu verarbeiten. Das hab ich dann vielleicht ne viertel Stunde ausgehalten, bis es einfach nich mehr ging. Ich entschloss mich dazu, doch wieder ins KH zu fahren, auch wenn es wieder überflüssig sein sollte. Wieder dort angekommen hatte bereits eine andere Hebamme Dienst, hatte aber von dem Vorfall am frühen Abend gehört. Sie schaute nach dem Muttermund - einen Zentimeter geöffnet!!! Und auch in diesem Moment schoss wieder ein Schwall Wasser, diesmal ordentlich viel aus mir heraus...und da war mir erst bewusst, dass ich da nicht mehr ohne Kind im Arm rauskam...

Die Hebi schickte mich dann in die Wanne ins Bad und lies heißes Wasser mit ätherischen wehenanregenden Ölen ein, nach vierzig Minuten Brüten im heißen Nass hielt ich es nicht mehr aus und stieg aus. Dann hieß es, wieder hinlegen und schauen, was denn der MuMu so macht..

DREI ZENTIMETER!! Huch, das ging ja schnell.. Um Sechs Uhr war Schichtwechsel, ich lernte die dritte Hebamme kennen..ich ging noch ein wenig aufs Zimmer und schaute Frühstücksfernsehen, während ich die Wehen veratmete, die ordentlich waren...irgendwann landete ich aber wieder im Kreissaal, weil ich ans CTG angeschlossen wurde und wieder auf dem Ball rumhopsen wollte. Nach zwei Stunden wiedermal Schauen nach dem MuMu- es tat sich nichts mehr, obwohl ich heftige Wehen hatte. nach einer weiteren Stunde entschloss sich die Hebi für den Wehentropf...

Ich Angsthase hab ja Schiss vor Nadeln und hatte leider das Pech, dass es erst nach dem dritten Versuch, die Flexüle zu legen, geklappt hat.

EINATMEN AUSATMEN EINATMEN AUSATMEN.. Haaaaaaaaahhhh, war das schön,wenn er der Schmerz nachlässt.

Die Wehen kamen jede zweite Minute und ich hatte echte Mühe, sie zu veratmen. Es war jetzt ca elf Uhr und der MuMu hatte sich weitere drei Zentimeter geöffnet, wenigstens ging es vorran. Zwischenzeitlich war der Chefarzt mit im Kreissaal und schaute mal nach dem Rechten, hab ihn dann aber erst nach der Entbindung wieder gesehn..



Schließlich wurde es Mittag und der MuMu hatte sich auf acht Zentimeter geöffnet. Ich ließ mir ein Schmerzmittel in den Po spritzen (habe ich erwähnt, dass ich vor Spritzen Angst habe? :) ) und konnte so die Wehen weiterhin gut veratmen. Hab mich über mich selbst gewundert, dass ich nicht rumbläken musste oder schlechte Laune abließ, aber wer weiß, wie ich ohne das Schmerzmittel drauf gewesen wäre..

Schichtwechsel um 13 Uhr, die dritte Hebamme schritt zur Tat... Sie schickte mich zur Toilette, damit ich nochmal pieseln konnte, bevor es zum Endspurt kommt. Prompt beweg ich meinen Pops aus dem Bett, haut mich der Schmerz fast aus den Latschen und die Hebi stützte mich am Bettrand, bis ich die Wehe veratmet hatte. Schnell zum Klo, rauf und AHHHHHHHHHHH; schon wieder eine Wehe, ich konnte mich nichtmal hinsetzten und hechelte stattdessen halb im Stehen, halb im Hocken wie eine blöde, weil es so nach unten drückte. Dann schnell Pipi machen und zurück in den Kreissaal hechten. Ich sagte der Hebi, dass ich schon einen deutlichen Druck nach unten verspüre und der MuMu war vollständig geöffnet. Ab da ging alles ganz fix, ich durfte pressen, was aber verdammt weh tat und ich bis zum Ende der Wehe gewartet hab, bis ich drücken konnte. Hatte ich mich einmal dazu überwunden, ging es von ganz allein, dass ich richtig pressen konnte. Das ging drei viermal, dann sagte die Hebi, dass das Köpfchen fast drau0en wäre. ich fühlte kurz und es war warm und wellig, irgendwie seltsam, dass ich die Hand gleich wieder zurück nahm. Dann stemmte ich weiter gegen Hebis Hüften und nach weiteren zwei oder drei Presswehen war sie da...

Was für ein Glücksgefühl, als die Wehen aufhörten!! Ich hätte rumtanzen können, so happy war ich, dass ich es geschafft hatte. Da lag ein kleines Wesen zwischen meinen Beinen und ich dachte, dass ich emotional total aufgelöst bin aber ich konnte es nicht begreifen und sah sie einfach an. Die Hebamme nahm sie hoch und wartete auf einen Schrei, aber Mia konnte nicht atmen, weil noch Fruchtwasser in den Atemwegen steckte und schließlich wurde es abgesaugt. Sie war trotzdem ziemlich ruhig und die Hebi wusch sie etwas ab und nahm die Maße. Nach der U1 bekam ich sie dann in die Arme gelegt. Ein ganz seltsames Gefühl...Sie schaute mich mit kleinen verquollen Augen an und die Hebi gab mir eine letzte Spritze in den Po für die Nachgeburt. Dann wurde Mia angezogen und mir zum ersten Stillen angelegt. Wir verbrachten noch zwei Stunden im Kreissaal, die wie im Flug vergingen. Ich war total erschöpft, aber doch aufgewühlt und nicht im geringsten auch nur in der Lage, ein Auge zuzudrücken. Der Chefarzt ließ sich nochmal sehn, um die evtl. Wunden zu untersuchen. Ich bin gerissen, doch er entscheid sich gegen das Nähen( wofür ich ihm sooooooooo dankbar bin!!), denn es wäre nicht besser verheilt als ohne.

Man sagt oft, dass alle Schmerzen vergessen sind, wenn das Kind erst da ist- ich werde mich immer daran erinnern können, aber sie waren es mehr als wert und diese Stunden gehören mit Sicherheit zu den schönsten,die man im Leben erfahren kann....
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